Blutwerte
Hund trinkt plötzlich viel mehr: was der Befund dazu zeigt
Ab wann ein Hund zu viel trinkt, wie Sie die Trinkmenge über 24 Stunden selbst messen und welche Werte im Befund die Spuren Niere, Zucker und Kortisol trennen.
Wie viel ist zu viel
Ein gesunder Hund nimmt am Tag etwa 40 bis 60 ml Wasser pro Kilogramm Körpergewicht auf, Trinken und Futterfeuchtigkeit zusammengerechnet. Nassfutter deckt davon einen großen Teil ab, Trockenfutter fast nichts. Ein Wechsel der Fütterung verändert die Menge am Napf deshalb schon allein. Hitze, langes Laufen, Läufigkeit, trockene Heizungsluft und salzige Kausnacks heben die Menge ebenfalls an.
Von vermehrtem Durst, in der Praxis Polydipsie genannt, wird üblicherweise ab einer Aufnahme von mehr als etwa 100 ml pro Kilogramm in 24 Stunden gesprochen. Bei einem Hund mit 20 kg sind das mehr als zwei Liter am Tag. Entscheidend ist aber die Veränderung, nicht die Grenze: Ein Hund, der jahrelang einen halben Liter getrunken hat und jetzt den Napf zweimal leert, hat etwas verändert, auch wenn die Menge rechnerisch noch im Rahmen bleibt.
Die Trinkmenge in 24 Stunden messen
Das ist die nützlichste Angabe, die Sie zum Termin mitbringen können, und sie kostet nichts.
- Nur einen Napf anbieten. Weitere Wasserstellen wegnehmen, Toilettendeckel schließen, Gießkanne und Pfützen ausschließen.
- Den Napf mit einem Messbecher füllen und die Menge aufschreiben.
- Jede Nachfüllung notieren. Nach 24 Stunden den Rest zurück in den Messbecher gießen und abziehen.
- Das Ergebnis durch das Körpergewicht in Kilogramm teilen. So entsteht der Wert in ml pro kg und Tag, mit dem die Praxis rechnet.
- Drei Tage hintereinander messen, bei gleichem Futter, und Tage mit Hitze oder langem Spaziergang dazuschreiben.
Notieren Sie daneben, wie oft und wie lange Ihr Hund Harn absetzt, ob er nachts raus muss, ob er in der Wohnung nicht mehr durchhält, und ob sich Gewicht, Appetit, Fell oder Bauchumfang verändert haben. Bei einer unkastrierten Hündin gehört das Datum der letzten Läufigkeit dazu. Diese Angaben entscheiden mit, welche Zeilen überhaupt angefordert werden.
Die drei Spuren, die zuerst abgeklärt werden
| Abgeklärte Spur | Was im Befund auffällt | Typischer Zusammenhang |
|---|---|---|
| Nachlassende Nierenfunktion | Kreatinin, Harnstoff und SDMA steigen, das spezifische Gewicht des Urins sinkt | Älterer Hund, langsamer Gewichtsverlust, große Harnmengen, stumpfes Fell |
| Zuckerkrankheit | Glukose deutlich über dem Bereich, Zucker auch im Urin nachweisbar | Hund mit großem Appetit, der trotzdem abnimmt, oft ab dem mittleren Alter |
| Überschuss an Kortisol aus der Nebennierenrinde | Alkalische Phosphatase erhöht, oft dazu ALT, verdünnter Urin | Hängebauch, dünne Haut, Haarverlust an den Flanken, Hecheln, großer Hunger |
Diese drei Richtungen erklären einen großen Teil der Fälle, aber nicht alle. Der Befund dient hier vor allem dem Ausschluss.
Was jede Spur im Befund hinterlässt
Bei der Niere zeigt sich die Reihenfolge gut. Zuerst geht die Fähigkeit verloren, den Urin zu konzentrieren, der Hund verliert also Wasser und trinkt mehr, um es auszugleichen. Erst danach steigen Kreatinin und Harnstoff über den Bereich, der auf Ihrem Befund gedruckt steht, weil diese beiden Werte erst reagieren, wenn ein erheblicher Teil der Filtrationsleistung fehlt. SDMA verlässt den Bereich im Schnitt früher als das Kreatinin und wird deshalb gern dazu bestimmt. Harnstoff allein ist kein Nierenwert: Er steigt auch nach einer eiweißreichen Mahlzeit, bei Austrocknung und bei einer Blutung im Magen-Darm-Trakt.
Beim Zucker ist die Zeile eindeutiger. Eine Glukose klar über dem Referenzbereich, zusammen mit Zucker im Urin und mit Gewichtsverlust bei gutem Appetit, ist die Kombination, die zur Zuckerkrankheit gehört. Beim Hund spielt Aufregung dabei eine kleinere Rolle als bei der Katze, ein einzelner erhöhter Wert wird aber trotzdem bestätigt, oft über Fruktosamin.
Beim Kortisol ist die Lage am wenigsten direkt. Ein Überschuss aus der Nebennierenrinde erzeugt im Befund nur Hinweise, keinen Beweis: meist eine deutlich erhöhte alkalische Phosphatase, oft eine mäßig erhöhte ALT, manchmal erhöhte Blutfette oder eine hohe Glukose, dazu einen dünnen Urin. Ein einzelner Kortisolwert aus dem Blut entscheidet hier nichts, weil er im Tagesverlauf und unter Aufregung stark schwankt. Für die Abklärung gibt es eigene Belastungstests und einen Quotienten aus Kortisol und Kreatinin im Urin, deren Auswahl in die Praxis gehört.
Warum der Urin zur Blutentnahme gehört
Eine Blutentnahme ohne Urin lässt bei vermehrtem Durst die halbe Information liegen. Das spezifische Gewicht des Urins sagt, ob die Niere das Wasser noch zurückhält. Ein Hund, der viel trinkt und dazu konzentrierten Urin produziert, hat ein anderes Problem als ein Hund, der viel trinkt und Urin fast wie Wasser absetzt. Die Probe ist dabei nur vor einer Infusion verwertbar, denn Flüssigkeit über die Vene verdünnt den Urin.
Was sonst noch Durst macht
Dazu gehören eine Gebärmutterentzündung bei der unkastrierten Hündin einige Wochen nach der Läufigkeit, eine Harnwegsinfektion, eine Erkrankung der Leber, ein erhöhter Kalziumwert, Medikamente wie Kortisonpräparate und harntreibende Mittel, seltene Störungen der Harnkonzentrierung, und gelegentlich reine Gewohnheit bei einem ansonsten unauffälligen Hund. Deshalb bleibt vermehrter Durst auch bei einem unauffälligen Befund ein Grund weiterzusuchen, statt die Sache abzuschließen.
Wann Sie sofort in die Praxis sollten
Unkastrierte Hündin, die einige Wochen nach der Läufigkeit viel trinkt, matt ist, Fieber hat oder Ausfluss zeigt: Das kann eine Gebärmutterentzündung sein und wartet nicht bis zum nächsten Tag.
Viel Trinken zusammen mit wiederholtem Erbrechen, Trinken ohne dass etwas drinbleibt, oder deutlicher Mattigkeit.
Hund, der trotz vollem Napf nicht mehr trinkt, oder der seit mehr als einem Tag keinen Harn abgesetzt hat.
Schwanken, Krampfanfall, Bewusstseinstrübung oder ein Atem mit auffällig süßlichem oder nach Urin riechendem Geruch.
Schneller Gewichtsverlust innerhalb weniger Wochen, zusammen mit Durst und großem Appetit.
Bekannter oder vermuteter Kontakt mit Frostschutzmittel, Rosinen oder Weintrauben, oder mit entzündungshemmenden Medikamenten aus der Hausapotheke.
Heilkunde am Tier ist approbierten Tierärztinnen und Tierärzten vorbehalten (Bundes-Tierärzteordnung), die Aufsicht liegt bei den Landestierärztekammern. Dieser Beitrag ordnet Werte ein und bereitet Fragen vor, er stellt keine Diagnose.
Die Fragen für Ihren Termin
- Hier sind die gemessenen Trinkmengen von drei Tagen, bezogen auf das Körpergewicht. Ist das für diesen Hund auffällig?
- Wurde das spezifische Gewicht des Urins bestimmt, und an einer Probe vor jeder Infusion?
- Welche Zeilen im Befund sprechen für die Niere, welche für den Zucker, welche für die Nebennierenrinde?
- Gehören SDMA und ein Urin-Protein-Kreatinin-Verhältnis in diesem Fall dazu?
- Kann eines der Medikamente, die mein Hund bekommt, den Durst selbst erklären?
- Wenn der Befund unauffällig bleibt: Was ist der nächste Schritt, und in welchem Abstand wird nachkontrolliert?
Häufige Fragen
Wie viel Wasser am Tag ist bei einem Hund noch normal?
Als Orientierung gelten etwa 40 bis 60 ml pro Kilogramm Körpergewicht in 24 Stunden, Futterfeuchtigkeit eingerechnet. Ein Hund mit 20 kg liegt damit grob bei einem Liter. Ab etwa 100 ml pro Kilogramm und Tag wird von vermehrtem Durst gesprochen. Wichtiger als die Zahl ist der Vergleich mit dem, was Ihr Hund vorher getrunken hat.
Mein Hund trinkt viel, die Blutwerte sind in Ordnung. Was nun?
Das kommt vor und schließt nichts ab. Ein Blutbild prüft nicht alles, was Durst macht: Eine Gebärmutterentzündung, eine Harnwegsinfektion, bestimmte Medikamente, eine Störung der Harnkonzentrierung oder ein rein gewohnheitsmäßiges Trinken hinterlassen im Blut oft keine Spur. Der nächste Schritt ist deshalb meist der Urin, nicht noch ein Blutröhrchen.
Muss mein Hund für die Blutentnahme nüchtern sein?
Für die Beurteilung von Glukose und Blutfetten ist ein nüchternes Tier klar besser, üblich sind etwa zwölf Stunden ohne Futter, Wasser bleibt frei verfügbar. Fragen Sie bei der Terminvergabe nach, denn manche Praxen arbeiten für die Urinprobe mit anderen Vorgaben. Ein nicht nüchternes Tier macht den Befund nicht wertlos, aber schwerer zu lesen.
Warum will die Praxis zusätzlich Urin haben?
Weil das spezifische Gewicht des Urins zeigt, ob die Niere noch konzentrieren kann. Dieselbe Blutzeile bedeutet etwas anderes, je nachdem, ob der Urin konzentriert oder dünn ist. Sammeln Sie wenn möglich Morgenurin in einem sauberen Gefäß und bringen Sie ihn innerhalb weniger Stunden gekühlt mit, am besten vor einer Infusion.
Soll ich meinem Hund das Wasser begrenzen, bis der Termin ist?
Nein. Ein Hund, der viel trinkt, gleicht damit meist einen Verlust aus, und eine Begrenzung kann ihn austrocknen lassen. Notieren Sie die Menge, begrenzen Sie sie nicht.
Dieser Beitrag erklärt und ordnet ein. Er ist keine Diagnose und ersetzt keinen Tierarztbesuch. Er erscheint in einer vorläufigen Fassung und wird gezeichnet, sobald eine Tierärztin oder ein Tierarzt ihn freigegeben hat.
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