Blutwerte
Nierenwerte der Katze im Befund erkennen und richtig einordnen
Welche Zeilen die Nierenfunktion der Katze abbilden, warum das Kreatinin spät und SDMA früher steigt, und was die IRIS-Stadien für den Verlauf leisten.
Warum diese Zeilen zusammen gelesen werden
Die Niere erledigt mehrere Aufgaben gleichzeitig: Sie entfernt Abbauprodukte, hält Wasser zurück, steuert Phosphat und Kalium und behält Eiweiß im Körper. Jede Aufgabe hat im Befund eine eigene Zeile, und die Zeilen reagieren zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Genau deshalb ergibt eine einzelne Zeile kein Bild, und deshalb fordert die Praxis Blut und Urin am gleichen Tag an.
Warum das Kreatinin spät steigt
Kreatinin ist ein Abbauprodukt aus dem Muskel, das laufend anfällt und über die Niere ausgeschieden wird. Der Zusammenhang zwischen Filtrationsleistung und Blutwert verläuft nicht gleichmäßig: Solange genug Funktion vorhanden ist, hält die verbleibende Leistung den Wert im Bereich. Erst wenn ein großer Teil der Filtration fehlt, steigt das Kreatinin, und dann relativ schnell. Ein Kreatinin knapp über dem Bereich entspricht deshalb schon einem deutlichen Verlust an Leistung, nicht einem kleinen.
Zwei Dinge verschieben diesen Wert zusätzlich. Austrocknung hebt ihn an, ohne dass die Niere selbst geschädigt sein muss, und das ist der häufigste Grund für einen hohen Wert, der sich mit dem Ausgleich des Flüssigkeitshaushalts wieder gibt. Umgekehrt bildet eine abgemagerte Katze mit wenig Muskulatur wenig Kreatinin, ihr Wert kann also im Bereich bleiben, obwohl die Filtration nachgelassen hat. Bei alten, dünnen Katzen unterschätzt das Kreatinin die Lage regelmäßig.
Warum SDMA früher reagiert
SDMA ist ein kleines Molekül, das im Körper laufend entsteht und fast ausschließlich über die Niere ausgeschieden wird. Es hängt deutlich weniger von der Muskelmasse ab als das Kreatinin und verlässt den Referenzbereich im Mittel früher. Für die abgemagerte ältere Katze ist das der entscheidende Vorteil.
SDMA ersetzt das Kreatinin aber nicht, es ergänzt es. Auch SDMA steigt bei Austrocknung, und ein einzelner Wert ohne Urin daneben bleibt eine Momentaufnahme. Aussagekräftig ist die Richtung über zwei oder drei Messungen im gleichen Labor.
Warum das spezifische Gewicht des Urins gleichzeitig gelesen wird
Eine gesunde Katzenniere konzentriert den Urin deutlich. Lässt die Konzentrierfähigkeit nach, liegt das spezifische Gewicht näher am Wert des Blutplasmas, der Urin wird also dünner. Das passiert bei vielen Katzen, bevor Kreatinin und SDMA den Bereich verlassen, und es erklärt das erste, was Halterinnen und Halter bemerken: mehr Trinken, schwerere Klumpen in der Streu.
Die Kombination ist das, worauf die Praxis schaut. Ein erhöhtes Kreatinin bei gut konzentriertem Urin weist zuerst auf den Flüssigkeitshaushalt. Ein erhöhtes Kreatinin bei dünnem Urin weist auf die Niere selbst. Die Probe muss dafür vor jeder Infusion gewonnen sein, denn Flüssigkeit über die Vene verdünnt den Urin.
| Zeile im Befund | Was sie abbildet | Worauf zu achten ist |
|---|---|---|
| Kreatinin | Filtrationsleistung, spät reagierend | Steigt auch bei Austrocknung, bleibt bei wenig Muskelmasse zu niedrig |
| SDMA | Filtrationsleistung, früher reagierend | Weniger von der Muskelmasse abhängig, trotzdem von Austrocknung beeinflusst |
| Harnstoff | Abbauprodukt des Eiweißstoffwechsels | Steigt nach eiweißreicher Mahlzeit, bei Austrocknung und bei Blutung im Magen-Darm-Trakt |
| Spezifisches Gewicht des Urins | Konzentrierfähigkeit der Niere | Nur vor einer Infusion verwertbar |
| Phosphat | Ausscheidung über die Niere | Wird bei der Beurteilung und bei Kontrollen mitgeführt |
| Urin-Protein-Kreatinin-Verhältnis | Eiweißverlust über die Niere | Eine eigene Unterteilung der Stadien, auch bei normalem Kreatinin aussagekräftig |
| Kalium | Gleichgewicht der Elektrolyte | Kann zu niedrig oder zu hoch sein, beides ist von Bedeutung |
Was die IRIS-Stadien leisten und was nicht
IRIS ist eine internationale Arbeitsgruppe, die eine einheitliche Einteilung vorgeschlagen hat, damit Praxen, Labore und Studien über dasselbe sprechen. Die Einteilung arbeitet in vier Stufen und beruht auf dem Kreatinin, zunehmend auch auf SDMA, gemessen an einer stabilen Katze mit ausgeglichenem Flüssigkeitshaushalt und bestätigt durch mehr als eine Messung im Abstand. Dazu kommen zwei Unterteilungen: nach dem Eiweißverlust über den Urin und nach dem Blutdruck.
Der Nutzen liegt im Verlauf und in der Verständigung. Eine Einordnung legt nahe, in welchem Abstand kontrolliert wird, welche Werte dazugehören und welche Themen im Gespräch mit der Praxis anstehen. Was die Einteilung nicht leistet: Sie sagt nichts über ein einzelnes Tier voraus, sie ist kein Urteil und sie ersetzt die Beurteilung der Katze vor Ihnen nicht. Fragen zu Behandlung, Fütterung und Verlauf gehören in die Praxis, die Ihre Katze untersucht hat.
Warum die Grenzen Ihres Labors zählen
Die gedruckten Referenzbereiche unterscheiden sich zwischen Laboren, weil Messgerät, Verfahren und Referenzgruppe unterschiedlich sind. Auch die Einheiten unterscheiden sich, Kreatinin steht in Deutschland häufig in µmol/l, auf anderen Befunden in mg/dl. Ein Wert lässt sich deshalb nur mit dem Bereich vergleichen, der auf demselben Befund steht, und ein Verlauf nur dann sauber lesen, wenn die Messungen aus demselben Labor kommen. Bewahren Sie die Befunde auf und bringen Sie die alten zum nächsten Termin mit.
Wann Sie sofort in die Praxis sollten
Kater, der wiederholt zur Toilette geht, ohne Urin abzusetzen, der drückt, schreit oder einen angespannten Bauch hat: innerhalb von Stunden, nicht am nächsten Tag.
Kein beobachteter Harnabsatz seit mehr als einem Tag.
Wiederholtes Erbrechen, Trinkverweigerung über mehr als einen Tag, deutliche Mattigkeit, ein Atem mit Geruch nach Urin.
Katze, die nicht mehr aufsteht, unterkühlt wirkt, schwer atmet, oder die in wenigen Tagen stark abgebaut hat.
Bekannter oder vermuteter Kontakt mit Lilien, auch Pollen auf dem Fell oder Wasser aus der Vase, mit Frostschutzmittel oder mit entzündungshemmenden Medikamenten für Menschen.
Blasses Zahnfleisch oder auffällige Schwäche der Hinterbeine.
Heilkunde am Tier ist approbierten Tierärztinnen und Tierärzten vorbehalten (Bundes-Tierärzteordnung), die Aufsicht liegt bei den Landestierärztekammern. Dieser Beitrag stellt keine Diagnose, gibt keine Aussage zum Verlauf und keine Empfehlung zur Behandlung oder Fütterung.
Die Fragen für Ihren Termin
- Welche dieser Zeilen liegen bei meiner Katze außerhalb des Bereichs, und um wie viel?
- War meine Katze bei der Entnahme ausgeglichen im Flüssigkeitshaushalt, oder kann Austrocknung einen Teil erklären?
- Wurde das spezifische Gewicht des Urins an einer Probe vor jeder Infusion bestimmt?
- Gehören SDMA und ein Urin-Protein-Kreatinin-Verhältnis dazu, und wurde der Blutdruck gemessen?
- Lässt sich meine Katze nach IRIS einordnen, und was heißt das für die Kontrollabstände?
- Wann ist die nächste Messung sinnvoll, und können wir beim gleichen Labor bleiben?
- Welche Veränderungen zu Hause sollen mich dazu bringen, den Termin vorzuziehen?
Häufige Fragen
Welche Werte sind überhaupt die Nierenwerte?
Im Blut Kreatinin, SDMA und Harnstoff, auf Befunden manchmal als Krea, CREA, HST oder BUN abgekürzt. Dazu gehören Phosphat und Kalium, weil sie sich mit der Nierenfunktion verschieben. Aus dem Urin kommen das spezifische Gewicht und das Urin-Protein-Kreatinin-Verhältnis. Erst diese Gruppe zusammen ergibt ein Bild.
SDMA ist erhöht, das Kreatinin ist normal. Was heißt das?
Diese Kombination kommt vor, weil SDMA im Schnitt früher reagiert und weniger von der Muskelmasse abhängt als das Kreatinin. Sie ist ein Anlass, nachzukontrollieren und den Urin dazu zu beurteilen, nicht ein Ergebnis für sich. Ob und wie schnell sich etwas verändert, zeigt erst die zweite Messung im gleichen Labor.
Muss meine Katze für die Nierenwerte nüchtern sein?
Üblich sind etwa zwölf Stunden ohne Futter bei frei verfügbarem Wasser, vor allem weil eine eiweißreiche Mahlzeit den Harnstoff anhebt und Blutfette die Messung anderer Zeilen stören. Das Kreatinin verändert sich dadurch weniger stark. Fragen Sie in der Praxis nach der Vorgabe für das angeforderte Profil.
Was sagt ein IRIS-Stadium aus?
Es ordnet eine Katze anhand des Kreatinins bei stabilem Flüssigkeitshaushalt in vier Stufen ein, ergänzt um zwei Unterteilungen nach Eiweißverlust im Urin und nach Blutdruck. Es ist ein Verständigungsrahmen für Kontrollabstände und Maßnahmen, keine Vorhersage für das einzelne Tier.
Sollte die Messung wiederholt werden?
In der Regel ja. Eine Einordnung beruht auf einer stabilen, nicht ausgetrockneten Katze und auf mehr als einer Messung im Abstand, möglichst im gleichen Labor und mit demselben Messverfahren. Eine einzelne Zeile hält nur einen Augenblick fest, der Verlauf bestimmt das weitere Vorgehen.
Dieser Beitrag erklärt und ordnet ein. Er ist keine Diagnose und ersetzt keinen Tierarztbesuch. Er erscheint in einer vorläufigen Fassung und wird gezeichnet, sobald eine Tierärztin oder ein Tierarzt ihn freigegeben hat.
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